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08.11.2012: Pressemitteilung

Pressemitteilung

Breiter gesellschaftlicher Konsens in Stahnsdorf
Klares Zeichen für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr
Vorsitzende Stahnsdorfer Vereine, Verbände, Kirchen, Wählergruppen,
Parteien, Bürgerinitiativen, Ortsvorsteher sowie der Bürgermeister rufen
im »Stahnsdorfer Appell« die Bevölkerung zur Eintragung für das
Volksbegehren gegen Nachtflug auf

»Wir sind stolz darauf, dass die Vorsitzenden von 45 gesellschaftlich relevanten Stahnsdorfer Vereinen, Verbänden, Kirchen und Parteien, Ortsvorsteher sowie Bürgermeister Bernd Albers unseren Stahnsdorfer Appell durch ihre Unterschrift unterstützen. Das zeigt, welche zentrale Bedeutung ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr in allen Bevölkerungsgruppen beigemessen wird« freut sich der Sprecher der Bürgerinitiative »Stahnsdorf gegen Fluglärm«, Wolfgang Brenneis. »
In Stahnsdorf besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr«, so Brenneis weiter. Nachdem sich endgültig erwiesen hat, dass die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund als Flughafeneigentümer nicht gewillt sind, dem Bedürfnis und dem Recht der Bevölkerung nach Lärmschutz in der Nacht Vorrang vor den rein wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften einzuräumen, beschlossen die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm ein Volksbegehren zum Schutz der Bevölkerung zu initiieren, das noch bis zum 3. Dezember 2012 läuft. Brenneis unterstreicht: »Die gesamte Bevölkerung wird mit der Eröffnung dieses Flughafens sehr stark vom Fluglärm am Tag und in der Nacht betroffen sein, auch diejenigen, die es bisher noch nicht wahrhaben wollen, werden die fatalen Auswirkungen des Flughafens am eigenen Leib zu spüren bekommen und mit ihrer Gesundheit bezahlen.
Deshalb haben wir zum Endspurt des Volksbegehrens den Stahnsdorfer Appell angeregt, mit dem alle politischen, sozialen und kulturellen Organisationen, Verbände, Vereine und Kirchen das Ziel eines Nachtflugverbotes, d.h. einer ungestörten Nachtruhe von acht Stunden, unterstützen und ihre jeweiligen Mitglieder dazu aufrufen, mit ihrer Unterschrift dafür persönlich einzutreten«.
Beruhend auf der Erkenntnis, dass das Ohr nicht einfach abgeschaltet werden kann, weiß jeder um die katastrophalen gesundheitlichen Auswirkungen von Nachtflug und den sich daraus ergebenden immensen Gesundheitskosten. Jeder weiß auch, dass Nachtflug für den Flughafenbetreiber unrentabel ist und durch den Tagflugbetrieb quersubventioniert werden muss. Fest steht zwischenzeitlich, dass Nachtflugbetrieb keine nennenswerte Anzahl von Arbeitsplätzen schafft oder wegfallen lässt. Wegen seiner Stadtnähe und seiner Lage inmitten dicht besiedelter Gebiete war bei dem Zweiländerflughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld zudem von Anfang an klar, dass beim Betrieb auf die Belastungen der Bevölkerung Rücksicht genommen werden muss und der Flughafen an diesem Standort nur mit Einschränkungen betrieben werden kann.
Eine kürzlich von dem Logistikexperten Prof. Richard Vahrenkamp, Inhaber des Lehrstuhls Produktionswirtschaft und Logistik an der Universität Kassel, durchgeführte Umfrage bei den zwanzig wichtigsten Industrieunternehmen der Region ergab keinen Bedarf an Nachtflügen.
Bei dem bisher in Aussicht genommenen sogenannten Nachflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr handelt es sich keineswegs um einen Kompromiss, wie von den Regierungen, der Flughafengesellschaft und der Luftfahrtlobby suggeriert wird. Vielmehr handelt es sich um eine bewusst eingesetzte sprachliche Verschleierung, da die Nacht in zahlreichen Gesetzen von 22 bis 6 Uhr definiert ist. Hinzu kommt, dass es selbst von dieser sogenannten
eingeschränkten Nachtruhe zahlreiche Ausnahmen geben wird.
»Nach alledem sind die Standpunkte vieler brandenburgischer Politiker zum Thema Nachtflug vorsichtig formuliert nicht mehr nachvollziehbar«, kommentiert Brenneis.
Insbesondere die Haltung der brandenburgischen Landesregierung sei geradezu zynisch. Brenneis weiter: »Ich rufe hier und heute in Erinnerung, was Ministerpräsident Platzeck auf der Demonstration in Stahnsdorf am 20. November 2010 vor mehr als 8.000 Teilnehmern versichert hat:«
»Und wer sich die Vorschläge der Landesregierung und des Umweltministeriums (Anm.: gemeint war die Route 7, Vorschlag des MUGV) anschaut, die in die nächste Fluglärmkommission eingebracht werden, sieht, dass das Gegenteil von dem, was in der Bildzeitung stand, richtig ist, meine Damen und Herren. Schauen Sie sich diese Vorschläge an, die heben darauf ab einen Weg zu finden, um die Region herum und auch um die Landeshauptstadt herum, darum bemüht sich auch die Landesregierung und darum geht es in den Vorschlägen.«
»Und wenn ich eben von einem der Vorredner gehört habe, dass intelligente Flugrouten, die möglichst Belästigungen und Belastungen minimieren, mehr Fluglotsen kosten, und dass die dann nicht da wären, sage ich, wenn es für solche Flugrouten mehr Fluglotsen braucht, wird es mehr Fluglotsen geben, meine Damen und Herren, daran wird es nicht scheitern.«
Von diesen Versprechungen ist heute nichts übrig geblieben, erklärt Brenneis weiter. »Unsere Region wird in der letzten Ausbaustufe mit weit mehr als 100 Flügen in relativ niedriger Höhe am Tag und in der Nacht mit zunehmender Tendenz belastet sein.«
Mit dem klaren Statement »Die Fracht braucht keine Nacht, aber die Menschen brauchen Erholung und Schlaf. Daher ist ein Nachtflugverbot, welches seinen Namen wirklich verdient, eine unabdingbare Minimalforderung. Wir Menschen sind das Herz, der Motor und das Rückgrat dieser Region; im Übrigen auch die Steuerzahler, die diesen Wahnsinn finanzieren müssen. Wir leben hier mit unseren Kindern, Familien, Freunden und Nachbarn.
Wir alle haben das Recht, mindestens von 22 bis 6 Uhr, also wenigsten acht Stunden in der Nacht, ungestört schlafen zu können.« schließt Brenneis die Veröffentlichung des Stahnsdorfer Appells.

Bürgerinitiative »Stahnsdorf gegen Fluglärm«
Die Sprecher
Wolfgang Brenneis - Christine Dunkel - Klaus Eichkorn

www.fluglaermBER.de
Stahnsdorf, 8. November 2012